| mailand.de > mode > ferré
Top-Modedesigner:
Gianfranco Ferré
„Die Leute haben das Gefühl für Armut verloren, sie wollen nur noch das Spektakel“. (Gianfranco Ferré)
Gianfranco Ferré gilt als einer der großen Modezaren Mailands. Sein Stil wird als eine Mischung aus logischem Denken und technischem Wissen gepaart mit Tradition S beschrieben. Der promovierte Architekt begann Mode zu zeichnen, da sein Studienabschluss in eine wirtschaftliche Flaute fiel und er in seinem Architektenberuf keine große Einstiegschance sah.
In einem Interview mit Vogue, 02/1997, erinnert er sich, dass sein Großvater hinter seinem Schreibtisch im Büro ein großes Gemälde von Fernand Léger hängen hatte. Er besaß auch Bilder von anderen berühmten Künstlern wie Modigliani, aber er habe nie betont, dass sie viel wert waren. Stattdessen erklärte er, warum Léger und Modigliani als Maler wichtig seien. Der Großvater hat sein Verhältnis zu Kunst und Geld geprägt, sagt er.
Zunächst entwirft Ferré mit einem Freund Schmuck. Bald erhält er von italienischen Textilherstellern den Auftrag nach Asien zu reisen, um neue Herstellungsmethoden zu prüfen. Mehrere Jahre verbringt Ferré in Asien, vor allem in Indien.
„Indien war eine tolle Erfahrung, weil ich eher Verstandes orientiert bin und Indien ein Land der Fantasie und des Durcheinanders ist“, sagte er im Interview mit Vogue.
Ferré, geboren 1944, stammt aus wohlhabender Industriellenfamilie. Er uns sein Bruder wurden als Kinder sehr förmlich und konservativ gekleidet. Sie mussten 2mal im Jahr zu einem speziellen Kinderschneider.
Zurück in Mailand hat er erste Erfolge als Möbel- und Schmuckdesigner.
Im Jahr 1978 gründet er seine eigene Firma „Ferré“. Von 1989 bis 1996 war er gleichzeitig Chefdesigner des Traditionshauses Dior in Paris. Als er das Angebot bekam, war er völlig überrascht: „Erst dacht ich, sie machen Witze….“
Als italienischer Modedesigner in Paris bei Dior lernt er die Eigenheiten und Mentalitäten der Frauen beider Länder zu unterscheiden. Eine italienische Frau sorgt sich mehr um die kniffligen Einzelheiten und um die Qualität der Sachen, während die Französin sich vor allem für den Gesamteindruck oder die Wirkung ihrer Aufmachung interessiert.
Ferré führt dies auf die Tatsache zurück, dass die Italiener kleine Dimensionen, winzige Sträßchen gewöhnt sind, während die Franzosen alle auf ihre Metropole, auf großstädtische Räume eingestellt sind. Das schlage sich in ihrem jeweiligen Stil wieder.
In 2000 verkauft er 90 % seines Unternehmens. Heute ist er Ehrenvorsitzender des Labels Ferré. Ferré urteilt hart über die Modewelt: „Die Leute haben das Gefühl für Armut verloren, sie wollen nur noch das Spektakel. Ich entwerfe weiter, weil ich an das glaube, was ich tue, und weil es der Weg für mich ist, mein kreatives Selbst zum Ausdruck zu bringen“. Er sieht sich selbst nicht als praktizierender Katholik, aber ist überzeugt, ein starkes Gefühl für Moral, für Recht und Unrecht zu haben.
Ferré hat ein Haus, ein großes Gebäude aus dem 19. Jahrhundert, am Lago Maggiore, das von einem Park umgeben ist. Er besitzt eine riesige Bibliothek: „Niemand auf der Welt gibt so viel Geld für Bücher aus wie Karl Lagerfeld und ich“, sagt er scherzhaft in einem Interview mit Vogue.
Der berühmte Couturier besitzt zudem etliche Luxuswagen, doch verbreitet eine gelassene Einstellung zum Geld: „Natürlich ist es schön, wenn man sich ein oder zwei schöne Dinge leisten kann, aber letztlich halte ich das nicht für so wichtig“.
Über die Luxusautos sagt er: „In meinen Augen gibt es keinen Unterschied zwischen einem Bentley und einem Fiat. Wen interessiert das schon…..Wenn ich mich wirklich frei fühlen will, lasse ich mein Auto und meinen Fahrer stehen und gehe zu Fuß. Dann begreife ich erst, was es heißt, ein reicher Mann zu sein“.
(copyright: www.mailand.de)
|